Krakau-Blog
Allee des Rakowicki-Friedhofs in Krakau an Allerheiligen bei Nacht, Gräber im Licht von Grabkerzen
Der Rakowicki-Friedhof in der Nacht von Allerheiligen. Foto: Skelanard / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Reisetipps

Allerheiligen in Krakau: Friedhöfe im Kerzenlicht und was am 1. November geöffnet ist

An Allerheiligen, dem 1. November, besuchen die Polen die Gräber ihrer Familien, und nach Einbruch der Dunkelheit leuchten die Krakauer Friedhöfe im Licht tausender Kerzen. 2026 fällt der Feiertag auf einen Sonntag. Er ist ein gesetzlicher Feiertag, die Geschäfte bleiben zu und einige große Sehenswürdigkeiten sind geschlossen. Der 2. November, Allerseelen, ist ein normaler Arbeitstag. Wenn Sie an diesem Wochenende in Krakau sind, erfahren Sie hier, was Sie erwartet, was geöffnet ist und wie Sie die Friedhöfe respektvoll besuchen.

Wie wird Allerheiligen in Polen begangen?

Allerheiligen (Wszystkich Świętych) ist in Polen einer der wichtigsten Familientage des Jahres. Viele reisen quer durchs Land, um die Gräber ihrer Angehörigen zu pflegen, Chrysanthemen zu bringen und Grablichter in farbigen Gläsern anzuzünden, die znicze heißen. Allerseelen (Zaduszki) am 2. November ist dem Gebet für alle Verstorbenen gewidmet, aber kein freier Tag. Anders als in Deutschland, wo Allerheiligen nur in einigen Bundesländern ein Feiertag ist, steht am 1. November in ganz Polen das öffentliche Leben still.

Die Stimmung ist eher still als düster. Auf den Friedhöfen sind ganze Familien unterwegs, vor den Toren stehen Stände mit Blumen und Kerzen, und nach Sonnenuntergang (am 1. November 2026 um 16:17 Uhr) verwandeln sich die Alleen in ein Lichtermeer.

Brennende Grablichter in Glasbehältern auf einem Grab an Allerheiligen
Grablichter, auf Polnisch znicze, an Allerheiligen. Foto: Pexels

Dürfen Besucher auf die Friedhöfe?

Ja. Besucher sind willkommen, und ein abendlicher Gang über einen Friedhof im Kerzenlicht gehört zu den eindrucksvollsten Bildern des polnischen Herbstes. Die städtischen Friedhöfe sind am 1. November ab 6:00 Uhr geöffnet, bis die letzten Besucher gehen, am 31. Oktober und 2. November von 7:00 bis 22:00 Uhr. Ein paar einfache Regeln:

  • leise sprechen und auf den Wegen bleiben, nicht über Gräber gehen,
  • Trauernde nicht aus der Nähe fotografieren, Aufnahmen des Lichtermeers sind kein Problem,
  • Kerzen stehen lassen, auch eine erloschene gehört jemandem,
  • wer mitmachen möchte, kauft am Tor ein Grablicht und stellt es an das Grab einer bekannten Persönlichkeit oder an ein vergessenes Grab.

Auf jüdischen Friedhöfen gelten andere Bräuche: Man bringt keine Blumen und keine Kerzen, sondern legt einen kleinen Stein auf den Grabstein, Männer bedecken den Kopf, und auf dem Friedhof wird weder gegessen noch getrunken.

Welche Krakauer Friedhöfe lohnen einen Besuch?

Der Rakowicki-Friedhof ist der größte und bekannteste Friedhof der Stadt. An der Hauptallee steht das Grabmal des Malers Jan Matejko (mehr dazu auf unserem Rundgang auf den Spuren Jan Matejkos), in der Nähe liegt die Schauspielerin Helena Modrzejewska und unweit der Friedhofskapelle die Literaturnobelpreisträgerin Wisława Szymborska. Die Eltern von Papst Johannes Paul II. ruhen im militärischen Teil. An Allerheiligen sammeln Freiwillige, oft bekannte Krakauer Schauspieler, an den Toren Spenden für die Restaurierung historischer Grabmäler, eine Tradition seit 1981.

Breite Allee des Rakowicki-Friedhofs in Krakau zwischen herbstlichen Bäumen
Der Rakowicki-Friedhof im Herbst. Foto: Franek Vetulani / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Salwator-Friedhof, ein kleiner Pfarrfriedhof im Stadtteil Zwierzyniec am Weg zum Kościuszko-Hügel, ist die letzte Ruhestätte des Science-Fiction-Autors Stanisław Lem und des Regisseurs Andrzej Wajda. Lems Krakauer Spuren finden Sie in unserem Stanisław-Lem-Rundgang.

Die jüdischen Friedhöfe in Kazimierz, der alte Remuh-Friedhof in der Szeroka-Straße mit Grabsteinen aus dem 16. Jahrhundert und der Neue Jüdische Friedhof in der Miodowa-Straße, sind von Sonntag bis Freitag ab 10:00 Uhr geöffnet und am Samstag sowie an jüdischen Feiertagen geschlossen. Am 1. und 2. November können Sie sie also besuchen, am besten vor 16:00 Uhr.

Krypten. In der Krypta der Verdienten auf der Skałka ruhen unter anderem der mittelalterliche Chronist Jan Długosz, der Künstler Stanisław Wyspiański, der Komponist Karol Szymanowski und der Dichter Czesław Miłosz. Am 2. November um 20:15 Uhr erklingt in der Basilika darüber das Requiem von Gabriel Fauré. Im Nationalpantheon in den Krypten der Peter-und-Paul-Kirche in der Grodzka-Straße liegen der Dramatiker Sławomir Mrożek und der Komponist Krzysztof Penderecki. Zu den Königsgräbern lesen Sie mehr in Wer ist auf dem Wawel begraben.

Wie weit ist es zu Fuß?

Ort vom Best Western Plus Kraków Old Town vom Hotel Regent
Nationalpantheon (Grodzka-Straße) 0,5 km, ca. 7 Min. 1 km, ca. 14 Min.
Remuh-Friedhof (Szeroka-Straße) 0,9 km, ca. 12 Min. 0,4 km, ca. 5 Min.
Neuer Jüdischer Friedhof (Miodowa-Straße) 1,1 km, ca. 14 Min. 0,7 km, ca. 10 Min.
Skałka (Skałeczna-Straße) 1,4 km, ca. 19 Min. 0,6 km, ca. 8 Min.
Rakowicki-Friedhof (Haupttor) 2,4 km, ca. 31 Min. 3,1 km, ca. 41 Min.
Salwator-Friedhof 3,2 km, ca. 42 Min. 3,5 km, ca. 46 Min.

Gehzeiten nach Fußwegrouten von OpenStreetMap.

Wie kommt man zum Rakowicki-Friedhof?

Am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Am 31. Oktober und 1. November setzt Krakau 34 Sonderlinien für Straßenbahnen und Busse zu den Friedhöfen ein, alle mit Nummern, die mit 8 beginnen. Aus dem Zentrum fahren die Sonderstraßenbahnen 81, 84 und 89 über die Starowiślna-Straße zum Rakowicki-Friedhof, und die Linie 72 verbindet Salwator über die Basztowa-Straße mit Rakowicki, zwischen 8:00 und 20:00 Uhr alle 10 Minuten. Seit dem 5. Oktober 2026 fahren keine Straßenbahnen mehr durch die Straßen św. Gertrudy und Stradomska.

Mit dem Auto wird es schwierig: Die Straßen rund um die größten Friedhöfe sind vom 30. Oktober bis 1. November teilweise gesperrt. Parken in der gebührenpflichtigen Zone ist am 1. November kostenlos, einfacher ist es aber, das Auto am Hotel stehen zu lassen. Unser Ratgeber für eine Städtereise nach Krakau ohne Auto erklärt Tickets und die Umweltzone.

Was ist am 1. und 2. November geöffnet?

Am Sonntag, dem 1. November, gilt ein Verkaufsverbot. Geöffnet haben nur Blumen- und Kerzenstände an den Friedhöfen, Tankstellen, Apotheken, Bäckereien und Restaurants. Das Königsschloss auf dem Wawel, das Museum unter dem Hauptmarkt, Schindlers Fabrik und das Salzbergwerk Wieliczka sind geschlossen. Die Wawel-Kathedrale ist von 12:30 bis 15:30 Uhr geöffnet, die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Oświęcim wie gewohnt.

Am Montag, dem 2. November, läuft alles normal. Auf dem Wawel gilt der „Kostenlose November“: Montags von 10:00 bis 16:00 Uhr sind unter anderem die Privaten Königsgemächer kostenlos zu sehen, die Eintrittskarten gibt es nur an den Kassen. Schindlers Fabrik ist montags kostenlos (10:00–15:00 Uhr), das Museum unter dem Hauptmarkt hat von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet und das Salzbergwerk Wieliczka von 8:00 bis 18:00 Uhr. Alle Abteilungen des Nationalmuseums sind montags geschlossen. Weitere freie Eintrittstage finden Sie in unserem Beitrag über kostenlose Museen in Krakau.

Backsteingebäude und der Sandomierska-Turm auf dem Wawel zwischen herbstlichen Bäumen
Der Wawel im Herbst: an Montagen im November sind Teile des Schlosses kostenlos. Foto: Pexels

Orgel- und Jazzkonzerte rund um Allerseelen

Für einen ruhigen Abend am 1. November bietet sich ein Orgelkonzert an. Das 23. Internationale Festival „Zaduszki Organowe“ bringt vom 29. Oktober bis 10. November zehn Konzerte in historische Kirchen, der Eintritt ist überall frei. Am Sonntag, dem 1. November, um 16:00 Uhr spielt Dariusz Bąkowski-Kois in der Stephanskirche in der Sienkiewicza-Straße.

Eine Woche später, vom 3. bis 7. November 2026, finden die 71. Krakauer Allerseelen-Jazztage (Krakowskie Zaduszki Jazzowe) statt. Das Festival gibt es seit 1954, es gehört zu den ältesten Jazzfestivals Europas, die Veranstalter nennen es sogar das älteste. Gespielt wird in der Musikschule in der Józefińska-Straße, in der Krakauer Philharmonie und im Kulturzentrum Nowa Huta, die Abschlussgala am 7. November in der Krakauer Oper ist eine Hommage an Stanisław Soyka. Das Programm steht auf der Website des Festivals, Tickets gibt es bei eBilet.

Saxofonist bei einem Jazzkonzert im warmen Bühnenlicht
Die Allerseelen-Jazztage sind eine Woche Konzerte in mehreren Krakauer Sälen. Symbolfoto: Pexels

Wo übernachten?

Best Western Plus Kraków Old Town in der Świętej-Gertrudy-Straße 6, direkt an den Planty und rund 500 m vom Hauptmarkt entfernt. Das Hotel hat einen eigenen Parkplatz im Zentrum (20 Plätze, am besten gleich nach dem Zimmer reservieren), sodass das Auto stehen bleiben kann und Sie die Stadt zu Fuß erkunden.

Hotel Regent in der Bożego-Ciała-Straße 19, in einem Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert in Kazimierz. Zum Remuh-Friedhof sind es 5 Minuten zu Fuß, zur Skałka 8 Minuten. Das Hotel hat keinen eigenen Parkplatz und eignet sich daher für Gäste, die mit Bahn oder Flugzeug anreisen.

Häufige Fragen

Ist der 1. November in Polen ein Feiertag?

Ja. Allerheiligen am 1. November ist in ganz Polen ein gesetzlicher Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen. Allerseelen am 2. November ist ein normaler Arbeitstag.

Haben die Geschäfte in Krakau am 1. November geöffnet?

Nein. Geöffnet sind nur Blumen- und Kerzenstände an den Friedhöfen, Tankstellen, Apotheken, Bäckereien und Restaurants.

Dürfen Touristen an Allerheiligen polnische Friedhöfe besuchen?

Ja. Besucher sind willkommen, wenn sie sich ruhig und respektvoll verhalten. Am eindrucksvollsten ist es nach Einbruch der Dunkelheit, wenn tausende Kerzen die Gräber erleuchten.

Ist der Wawel am 1. November geöffnet?

Das Königsschloss auf dem Wawel ist am 1. November 2026 geschlossen. Die Wawel-Kathedrale ist von 12:30 bis 15:30 Uhr geöffnet. Am Montag, dem 2. November, sind Teile des Schlosses im Rahmen des „Kostenlosen Novembers“ gratis zu besichtigen.

Wann finden die Krakauer Allerseelen-Jazztage 2026 statt?

Die 71. Ausgabe läuft vom 3. bis 7. November 2026, mit einem Prolog am 31. Oktober im Salzbergwerk Wieliczka.