
Erstkommunion in Polen: Warum Kinder im Mai in Weiß durch Krakau gehen
Wer an einem Sonntag im Mai durch Krakau spaziert, sieht vor den Kirchen Gruppen von Acht- und Neunjährigen in gleichen weißen Gewändern, umringt von Eltern, Großeltern und Kameras. Sie feiern ihre Erstkommunion, eines der wichtigsten Familienfeste in Polen. Viele Besucher aus Deutschland kennen das Fest von zu Hause, doch in Polen sieht es etwas anders aus. Hier erfahren Sie, was die Feier bedeutet, warum sie im Mai stattfindet, warum die Kinder so gekleidet sind und worauf Sie als Gast in Krakau achten sollten.
Was ist die Erstkommunion?
In der katholischen Kirche empfängt ein Kind bei der Erstkommunion zum ersten Mal die Eucharistie. Getauft werden die Kinder schon als Säuglinge, die Erstkommunion ist also das erste Sakrament, das sie bewusst erleben. Kurz davor legen sie ihre erste Beichte ab.

In Polen gehen die Kinder meist in der dritten Klasse der Grundschule zur Erstkommunion, also mit acht oder neun Jahren. Die Vorbereitung dauert ein ganzes Schuljahr: Religion wird in polnischen Schulen unterrichtet, dazu kommen Treffen, Proben und Messen in der Pfarrei. Gefeiert wird in der Regel in der Heimatpfarrei, die ganze Klasse empfängt die Kommunion gemeinsam.
Warum im Mai?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Erstkommunion gehört in die Osterzeit, die Wochen zwischen Ostern und Pfingsten. In Deutschland wird sie traditionell oft am Weißen Sonntag gefeiert, dem Sonntag nach Ostern; in Polen hat sich dagegen der Mai durchgesetzt. Der Mai ist für polnische Katholiken zudem der Marienmonat, mit Maiandachten in den Kirchen und an Wegkapellen. Und es gibt einen praktischen Grund: Im Mai ist das Wetter meist mild, die Familie kann sich leichter versammeln und Fotos vor der Kirche machen.

Die meisten Pfarreien wählen einen Sonntag im Mai. 2027 gibt es fünf: den 2., 9., 16., 23. und 30. Mai. Manche Pfarreien feiern auch an einem Samstag oder teilen große Gruppen auf mehrere Messen auf.
Warum tragen die Kinder Weiß?
Weiß ist die Farbe der Taufe. Bei der Taufe erhält das Kind ein weißes Gewand als Zeichen des Neubeginns, und die Erstkommunion knüpft daran an.
Lange trugen Mädchen weiße Kleider und Jungen dunkle Anzüge. Heute bitten viele polnische Pfarreien alle Kinder, die gleiche schlichte weiße Albe zu tragen, ein langes, gegürtetes Gewand, oft mit einem kleinen Kreuz. So steht die Feier im Mittelpunkt und nicht die Frage, wessen Outfit am teuersten war. Mädchen tragen oft einen Blumenkranz im Haar, und jedes Kind hält eine Kerze, die während der Messe an der Osterkerze entzündet wird.
Auf die Feier folgt die sogenannte Weiße Woche. Mehrere Tage lang besuchen die Kinder erneut in ihren Alben die Messe, deshalb sieht man sie auch unter der Woche noch rund um die Kirchen.
Wie feiern polnische Familien?
Nach der Messe trifft sich die Familie zu einem festlichen Mittagessen, zu Hause oder immer häufiger im Restaurant. Paten und Großeltern spielen eine wichtige Rolle, und viele Verwandte reisen für diesen Tag aus anderen Teilen Polens oder aus dem Ausland an.

Geschenke gehören dazu. Klassisch sind eine Armbanduhr, ein Fahrrad, ein Rosenkranz oder ein Gebetbuch; heute bekommen Kinder auch Elektronik oder Geld. Jedes Frühjahr wird in Polen über die Höhe der Kommuniongeschenke diskutiert, und viele Eltern und Priester werben für bescheidene Geschenke.
Krakau im Mai: Tipps für Besucher
- Sonntagvormittags sind die Kirchen voll. Kommunionmessen sind Familienfeiern. Planen Sie Kirchenbesuche lieber für den Nachmittag oder einen Wochentag und laufen Sie während des Gottesdienstes nicht herum.
- Vor dem Fotografieren fragen. Die Kinder sind ein schönes Motiv, aber es ist ein sehr persönlicher Tag einer fremden Familie.
- Mittagessen am Sonntag reservieren. Restaurants in der Altstadt richten im Mai viele Kommunionfeiern aus, spontan einen Tisch zu finden kann schwieriger sein.
- Lange Wochenenden bringen mehr Besucher. 2027 ziehen der 1.–3. Mai und das Fronleichnamswochenende (27.–30. Mai) viele polnische Gäste nach Krakau.
Sie reisen zu einer Kommunion in Krakau an?
Wenn Sie zur Erstkommunion eines Verwandten nach Krakau kommen, lohnt sich eine Unterkunft in Gehweite der Altstadtkirchen. Das Best Western Plus Kraków Old Town in der Świętej-Gertrudy-Straße liegt am Planty-Park, etwa 500 m vom Hauptmarkt, und hat einen eigenen Parkplatz (20 Stellplätze, Reservierung empfohlen). Im hoteleigenen Restaurant MidTown finden auch Familienfeiern statt. Zur Dominikanerbasilika sind es rund 3 Gehminuten, zur Marienkirche und zu den Kirchen in der Grodzka-Straße etwa 7 Minuten. Im Stadtteil Kazimierz ist das Hotel Regent eine gute Basis, wenn die Feier dort stattfindet: Bis zur Fronleichnamsbasilika sind es 2 Minuten, bis zur Katharinenkirche 5 Minuten.

Wer mit einem Auto mit ausländischem Kennzeichen anreist, sollte es vorab im System der Krakauer Umweltzone (SCT) registrieren, denn die Zone umfasst die gesamte Altstadt und Kazimierz.
Häufige Fragen
In welchem Alter gehen Kinder in Polen zur Erstkommunion?
Meist mit acht oder neun Jahren, in der dritten Grundschulklasse, nach einem Jahr Vorbereitung in Schule und Pfarrei.
Warum tragen polnische Kinder zur Erstkommunion Weiß?
Weiß erinnert an das Taufkleid und steht für einen Neubeginn. Viele polnische Pfarreien lassen alle Kinder gleiche weiße Alben tragen, damit die Feier und nicht die Kleidung im Mittelpunkt steht.
Wann sind die Erstkommunionen in Krakau 2027?
Meist an den Sonntagen im Mai: am 2., 9., 16., 23. und 30. Mai 2027. Termin und Uhrzeit legt jede Pfarrei selbst fest.
Was ist die Weiße Woche?
Die Weiße Woche ist die Woche nach der Erstkommunion, in der die Kinder erneut in ihren weißen Alben die Messe besuchen. Sie schließt das Fest in der Pfarrei ab.
Wie unterscheidet sich die Erstkommunion in Polen von der in Deutschland?
Das Sakrament ist dasselbe, doch in Polen wird meist im Mai statt am Weißen Sonntag gefeiert, die Kinder tragen häufig einheitliche Alben, und nach der Feier folgt die Weiße Woche mit täglichen Messen.