Krakau-Blog
Bürgerhäuser in der Krakauer Altstadt
Wissenswertes

Krakau der Alchemisten und Hexen — ein Rundgang der Geheimwissenschaften

Im Mittelalter und in der Renaissance war Krakau nicht nur Königsstadt und Universitätsstadt, sondern auch ein wichtiges Zentrum der Geheimwissenschaften. An der Krakauer Akademie wurde Astrologie gelehrt, der berühmte Alchemist Michael Sendivogius wirkte hier, und Legenden über den Zauberer Meister Twardowski erzählt man bis heute. Hier sind die Orte, an denen Sie diesen Geschichten heute in Krakau nachspüren können – vom Collegium Maius bis Zakrzówek.

Alchemie und Astrologie im alten Krakau

Die Alchemie – die Kunst, unedle Metalle in edle zu verwandeln, aber auch die Suche nach dem Stein der Weisen und nach Heilmitteln – wurde im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa durchaus ernst genommen. An der 1364 gegründeten Krakauer Akademie gab es einen Lehrstuhl für Mathematik und Astronomie und ab 1459 auch einen für Astrologie, gestiftet aus dem Vermächtnis von Marcin Król aus Żurawica. Sein Professor veröffentlichte jedes Jahr eine Prognose für das kommende Jahr. Alchemie wurde offiziell nicht gelehrt, an der Universität aber betrieben.

Der berühmteste Krakauer Alchemist war Michael Sendivogius (Michał Sędziwój). Als Student in Krakau kam er zum ersten Mal mit der Alchemie und den Ideen des Paracelsus in Berührung. Berühmt machte ihn sein Traktat „Novum Lumen Chymicum“, 1604 anonym in Prag erschienen und über 50 Mal neu aufgelegt. Darin beschrieb er eine in der Luft verborgene „Speise des Lebens“, verbunden mit Salpeter – deshalb gilt er als Vorläufer der Entdeckung des Sauerstoffs, mehr als 150 Jahre vor Scheele, Priestley und Lavoisier.

Auf den Spuren von Alchemisten und Hexen in Krakau

1. Collegium Maius (Jagiellońska 15)

Das älteste Gebäude der Jagiellonen-Universität ist heute ein Museum. Auf dem Rundgang sieht man eine rekonstruierte Alchemistenwerkstatt – mit Destillierkolben, Retorten und Gefäßen, die man Pelikane nannte – sowie astronomische Instrumente aus dem 16. Jahrhundert.

2. Haus des Sendivogius (Ecke Szczepański-Platz und św.-Tomasza-Straße)

An dieser Ecke stand eines der Krakauer Häuser von Sendivogius. Es wurde 1908 abgerissen; in seinen Kellern fand man unter anderem gotische Türen und eine Renaissanceskulptur, einige Funde kamen ins Lapidarium des Czapski-Museums.

3. Palast „Pod Krzysztofory“ (Hauptmarkt 35)

Mit dem Palast sind Legenden über Meister Twardowski und in den Kellern versteckte Schätze verbunden. Die belegte Geschichte ist ebenso spannend: Um 1600 gab es hier eine der ältesten Apotheken Krakaus, im 19. Jahrhundert die Druckerei der Zeitung „Czas“. Heute ist er Sitz des Museums Krakau.

4. Rathausturm (Hauptmarkt 1)

Unter dem ehemaligen Rathaus lag ein Gefängnis mit Folterkammer und der Wohnung des Henkers – bereits 1384 erwähnt. Hierher brachte man Angeklagte, auch solche, denen Hexerei vorgeworfen wurde. Das Rathaus selbst wurde im 19. Jahrhundert abgerissen, nur der Turm blieb erhalten, heute eine Abteilung des Museums Krakau. Laut der Historikerin Barbara Faron, Autorin eines Buches über das abergläubische alte Krakau, erging es angeblichen Hexen hier besser als in vielen Städten des Westens.

5. Der Pranger und das Messer in den Tuchhallen

Auf dem Hauptmarkt, gegenüber dem Palast Spiski, stand der Pranger, an dem Strafen und Hinrichtungen vollzogen wurden – die letzte 1794. Der Galgen stand außerhalb der Stadt. An die alte Justiz erinnert das Messer, das in den Tuchhallen hängt – eine Warnung an Diebe.

6. Wawel – der Turm Kurza Stopka

Der Überlieferung nach lag die Werkstatt des Sendivogius auf dem Wawel, im Turm namens Kurza Stopka („Hühnerfuß“), als er für König Sigismund III. Wasa arbeitete.

7. Twardowski-Felsen (Zakrzówek)

Meister Twardowski, der polnische Faust, der seine Seele dem Teufel verkaufte, soll der Legende nach seine Werkstatt in einer Grotte in den Twardowski-Felsen auf den früheren Krzemionki-Hügeln gehabt haben. Heute ist das ein beliebtes Spaziergebiet am Zakrzówek-See. Twardowskis berühmter Spiegel ist allerdings nicht in Krakau – er wird in einer Kirche in Węgrów aufbewahrt.

Übernachten in Krakau

Der Rundgang beginnt und endet in der Altstadt – am bequemsten wohnen Sie daher im Best Western Plus Kraków Old Town in der Świętej-Gertrudy-Straße 6, rund 500 m vom Hauptmarkt. Eine stimmungsvolle Alternative ist das Hotel Regent in einem historischen Bürgerhaus in Kazimierz.

Häufige Fragen

Wer war Michael Sendivogius?

Ein polnischer Alchemist um 1600, Absolvent der Krakauer Akademie und Autor des „Novum Lumen Chymicum“ (1604). Er gilt als Vorläufer der Entdeckung des Sauerstoffs.

Wo sieht man in Krakau eine Alchemistenwerkstatt?

Im Museum der Jagiellonen-Universität im Collegium Maius, Jagiellońska 15 – eine Rekonstruktion einer historischen Werkstatt.

Wo gibt es in Krakau Spuren von Meister Twardowski?

Die Legende verbindet ihn mit den Twardowski-Felsen am Zakrzówek und mit dem Palast „Pod Krzysztofory“ am Hauptmarkt.

Aktualisiert im Oktober 2026.