Krakau-Blog
Verkäufer an einem blauen Wagen voller Obwarzanki-Kringel mit dem Schild „Obwarzanki krakowskie“
Wissenswertes

Krakauer Mundart — „na pole“, „idźże“ und andere lokale Wörter

Die Krakauer Mundart unterscheidet sich nicht stark vom Standardpolnischen, doch auf Krakaus Straßen hört man Wörter und Wendungen, die sofort verraten, wo man ist. Am bekanntesten sind „na pole“ und die Endung „-że“ in „idźże“ oder „chodźże“. Wir haben die gesammelt, die bei einem Besuch nützlich sind – alle stehen im Wörterbuch „Powiedziane po krakowsku“ („Auf Krakauerisch gesagt“) von Sprachwissenschaftlern der Jagiellonen-Universität.

„Na pole“ oder „na dwór“?

Nichts in der Krakauer Sprache ist so berühmt wie „pole“. Im Standardpolnischen sagt man für „nach draußen“ „na dwór“ – wörtlich „auf den Hof“ –, in Krakau und Kleinpolen dagegen „na pole“ (wörtlich „aufs Feld“). „Jak jest na polu?“ („Wie ist es auf dem Feld?“) heißt einfach „Wie ist das Wetter?“, und „idziemy na pole“ bedeutet „wir gehen raus“.

Der Streit „pole oder dwór“ ist seit Jahren ein Running Gag zwischen Krakau und dem Rest Polens. Sprachwissenschaftler erklären, dass sich „na dwór“ vor allem durch den größeren Einfluss Warschaus durchgesetzt hat – „na pole“ ist also kein Fehler, sondern ein Regionalismus.

Ein Spruch in Krakauer Mundart auf einer Werbung des Fußballklubs Cracovia
Werbekampagne des Fußballklubs Cracovia /Foto: Wikimedia Commons

Idźże, chodźże, weźże – das Krakauer „-że“

Die Endung „-że“ an Verben im Imperativ ist ein Krakauer Markenzeichen. Sie verstärkt eine Bitte oder Aufforderung: „chodźże na pole!“ („komm doch raus!“) ist eine Einladung zum Spaziergang, „weźże to zrób“ ein Anstoß, endlich etwas zu tun, und „zróbże coś“ („tu doch was“) drückt Ungeduld aus.

Ein Klassiker ist „idźże, idźże, ty bajoku!“ (oder „idze, idze, bajoku!“), womit ein Krakauer eine Geschichte quittiert, die er nicht glaubt – etwa „ach, erzähl doch nichts!“. Ein Bajok ist laut Wörterbuch ein unseriöser Mensch, der gern flunkert, Unsinn redet und Klatsch weitererzählt.

Fertig machen für den Spaziergang

Bevor man „na pole“ geht, wird in Krakau die Mütze, Jacke oder der Schuh „ubierać“ („angekleidet“) statt wie im Standardpolnischen „zakładać“ („angezogen“). Auf den Kopf kommt vielleicht eine Beretka – so nennt man in Krakau die Baskenmütze. Und zum Treffen sollte man sich nicht „spaźniać“ – die Krakauer Form von „sich verspäten“.

Krakau auf dem Teller

Krakauer Obwarzanki mit Mohn und Sesam
Der Obwarzanek ist Krakaus berühmtestes Gebäck /Foto: Wikimedia Commons

Beim Bummel über den Hauptmarkt bekommt man fast an jeder Ecke einen Obwarzanek – einen Brotkringel mit Mohn, Sesam oder Salz, ähnlich einem Bagel. In der Bäckerei kann man nach einer Weka (einem großen, länglichen Weizenbrötchen) oder einem Bośniak (Brötchen mit viel Kümmel) fragen. Ein Sznycel ist in Krakau kein Schnitzel, sondern ein Frikadellen-Kotelett aus Hackfleisch.

In einer traditionellen Konditorei stehen Cwibak (ein Früchtekuchen mit vielen Trockenfrüchten und Nüssen), Chrust (knusprige Raderkuchen, anderswo in Polen „faworki“), Andruty (Waffeln) und Piszinger auf der Karte – mehrere Waffelschichten mit Schokoladencreme, benannt nach dem Konditor Oskar Pischinger. Und sind Borówki im Kuchen, meint man in Krakau Heidelbeeren.

Wörter aus einem Krakauer Zuhause

  • nakastlik – Nachttisch,
  • sagan, saganek – Wasserkessel,
  • bańka – Christbaumkugel,
  • zastrugaczka – Bleistiftspitzer,
  • krachla – Bügelverschlussflasche,
  • cumel – Schnuller.

Übernachten in Krakau

Am meisten „idźże“ und „na polu“ hört man, wenn man mitten im Zentrum wohnt. Das Best Western Plus Kraków Old Town in der Świętej-Gertrudy-Straße 6 liegt rund 500 m vom Hauptmarkt, das Hotel Regent in einem historischen Bürgerhaus in Kazimierz, etwa 15 Gehminuten vom Hauptmarkt.

Häufige Fragen

Was bedeutet „idźże“?

Es ist „idź“ („geh“) mit der verstärkenden Krakauer Endung „-że“. Der Ausruf „idźże, idźże, ty bajoku!“ drückt Unglauben aus – etwa „erzähl doch keine Märchen!“.

Warum sagt man in Krakau „na pole“?

In der Krakauer und kleinpolnischen Mundart bedeutet „pole“ das Draußen, den freien Himmel. Die Standardform „na dwór“ hat sich vor allem unter dem Einfluss Warschaus verbreitet; „na pole“ ist ein korrekter Regionalismus.

Was ist Piszinger?

Ein Krakauer Dessert aus mehreren Waffelschichten mit Schokoladencreme, benannt nach dem Konditor Oskar Pischinger.

Aktualisiert im Oktober 2026.